Pressemitteilung zum 7. EPatient Survey 2018 vom 7. Mai 2018:

Bevölkerung will digitale Gesundheitsakte und Therapie-Apps. Verpassen Ärzte, Apotheker und Kassen den Zug?

[Berlin, 7.5.2018] Die Deutschen in Ihrer Mehrheit wollen eine Online-Patientenakte, auch wenn sie mit dem Begriff selbst nichts anfangen können. So eines der Ergebnisse des 7. EPatient-Survey von Dr. Alexander Schachinger (EPatient RSD GmbH), mit 9700 Befragten die größte thematische Online-Befragung im deutschsprachigen Raum. 58 Prozent der Befragten können anfänglich mit dem Begriff Online-Gesundheitsakte nichts anfangen, auf die Frage, ob sie digital jederzeit auf ihre Krankheitsdaten zugreifen wollen, antworten jedoch 73 Prozent mit Ja. Ebenfalls wollen die Befragten ihren Arzt als Lotsen für digitale Versorgungslösungen und ihre eigenen Daten mit ihm teilen.

 

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Kurz vor der Debatte der Deutschen Ärzteschaft über die Online-Sprechstunde auf dem Deutschen Ärztetag in Erfurt ist damit klar: Die Deutschen wollen mehr digitale Gesundheitsanwendungen. Ärzte, Kliniken und Krankenkassen sollten diesen Vertrauensvorsprung, den sie noch vor Apple und Google haben auch nutzen.

Vier von fünf Befragten wollen Online-Empfehlungen vom Arzt oder ihre Patientendaten digital mit ihm teilen, darauf folgen Kliniken und Krankenkassen. Zum Vergleich: Nur 5 Prozent vertrauen Apple oder Google als Speicherort für Patientendaten.

“Der letzte Aufruf an das Deutsche Gesundheitssystem, nicht nur über eHealth zu reden, sondern den Vertrauensvorsprung tatsächlich zu nutzen und Lösungen in der Versorgung zu integrieren.”, so der eHealth-Forscher Dr. Schachinger, Geschäftsführer der EPatient RSD GmbH. Online-Welt und ärztliche Versorgung sind heute in der Regel nicht miteinander verknüpft. Der Patient wird derzeit noch vom Arzt und vom Gesundheitssystem in der Online-Welt alleine gelassen.

Entsprechend steigt die Zahlungsbereitschaft in bestimmten Zielgruppen für digitale Lösungen auf dem Selbstzahlermarkt seit wenigen Jahren deutlich an. Circa zwei von drei Bürgern, so die Befragungsergebnisse, fehlt allerdings umgekehrt die digitale Kompetenz mit Therapie-Apps umzugehen. Auch hier wünschen sie sich von ihren Versorgern Hilfestellung.

Der nunmehr 7. EPatient Survey 2018, umgesetzt von Dr. Alexander Schachinger (EPatient RSD GmbH), ist die größte jährlich stattfindende Online-Befragung zum „Patient im Netz“. Hierzu wurden dieses Frühjahr 9.700 Gesundheits-Surfer in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit Unterstützung führender Krankenkassen, Gesundheitsportalen, Patientenorganisationen und Startups befragt.

 

Weitere Ergebnisse:

Die eigenen Daten werden nicht mit jedem geteilt. 

Trotz hoher Intransparenz auf dem digitalen Gesundheitsmarkt haben die Bürger offensichtlich eine klare Vorstellung mit welchem Akteur und über welche Kanäle sie ihre persönlichen Krankheitsdaten teilen wollen. Dabei spielt der mögliche Betreiber einer Online-Gesundheitsakte (bspw. der Staat, die Arztpraxissoftware, die Krankenversicherung, Amazon, Google, Apple) wie auch der direkte Ansprechpartner hierzu eine Rolle (primär die behandelnden Ärzte und Kliniken, gefolgt von Krankenversicherungen). Entsprechend wollen Bürger und Patienten ihre Daten auch mit diesen Ansprechpartnern für eine bessere Therapie teilen.

Online-Terminvereinbarung und Online-Coaching weiter auf dem Vormarsch.
In der Vielfalt der digitalen Anwendungen für Gesundheit und Patienten verbreitet sich die Online-Terminvereinbarung (24%), das Online-Coaching (14%), gefolgt von der App zum Medikament oder dem Medizingerät und der Online-Zweitmeinung seit mehreren Jahren am deutlichsten.

Die App zur Therapie: Der Patient weiß, wie das Szenario aussehen kann. 

Das 2-Welten-Dilemma von der medizinischen Versorgung vor Ort auf der einen Seite und den über 5000 Webseiten, Apps und Startups auf der anderen Seite ist derzeit für das Gesundheitssystem und besonders für Bürger und Patienten ein Dilemma. Dabei wünscht sich der Patient eine verständliche und relevante digitale Orientierung von seinen Behandlern während und nach seiner Therapie. Diese Verflechtung der medizinischen mit der digitalen Versorgung zeigt auch in internationalen Studien Nachhaltigkeit.

Größte Hürden derzeit: fehlende digitale Kompetenz und fehlende Markttransparenz.   

Nicht jeder Patient im Netz hat die nötige digitale Kompetenz  zum einen eine digitale Anwendung in den Online-Kanälen zu finden und zum anderen auch zu benutzen. Die zunehmende Angebotsvielfalt auf dem digitalen Gesundheitsmarkt auf der Ebene der Prävention sowie Therapie ist für den Einzelnen eine Herausforderung. Entsprechend ist die Nutzung und Kompetenz für digitale Gesundheit sowie auch die Zahlungsbereitschaft in den Patientenzielgruppen ungleich verteilt. Wie es scheint ist die traditionelle Versorgung vor Ort weniger von Kaufkraft und Kompetenz abhängig als auf dem digitalen Gesundheitsmarkt. Eine bürgerzentrierte Versorgung mit digitaler Gesundheit für alle ist somit in Deutschland nicht gegeben – obwohl sich dies die Bevölkerung klar wünscht.